"Die Kindheit ist unantastbar!"

Die Kindheit ist unantastbar kleinEltern wollen für ihr Kind nur das Beste. Es mag bizarr klingen, wenn sie bei der Besichtigung einer Kita nach Sprachkursen, Instrumentenunterricht oder der Computerausstattung fragen. Sind Sie überambitioniert und wollen ihre Sprösslinge zum Multitalent drillen? Verhalten sich Eltern, die weniger Wert auf die viel beschworene „frühkindliche Bildung“ legen, dagegen unverantwortlich? Woher kommt der Drang, möglichst schon Kleinkinder in Krippen und Kitas mit wissenschaftlichen Inhalten zu füttern? In seinem Buch „Die Kindheit ist unantastbar. Warum Eltern ihr Recht auf Erziehung zurückfordern müssen“ macht sich Autor und Kinderarzt Herbert Renz-Polster auf die Suche nach Antworten. 

Unsere Gesellschaft ist schnelllebig, sie soll flexibel sein und effizient. Kein Wunder, dass die „Kardinaltugenden“ unserer Zeit eine möglichst rasche sprachliche und kognitive Entwicklung, möglichst frühe Autonomie und Durchsetzungsvermögen sind, wie der Autor schreibt. „Auf der Erziehungsagenda der bürgerlichen Mittelschicht sind damit genau die persönlichen Qualitäten gelandet, die in der globalisierten Wirtschaft als die entscheidenden Produktivitätsressourcen gelten. Mit anderen Worten: Das Kind soll fit werden für den Wettbewerb.“

Die Wirtschaft gibt den Weg vor

Unsere heutige Gesellschaft ist hervor gegangen aus der Geschichte, aus den politischen und sozialen Umständen und den wissenschaftlichen Ideen der vergangenen Jahrhunderte. Mit den jeweiligen gesellschaftlichen Systemen wandelten sich auch die Werte, wie der Autor in vielen Beispielen ausführlich zeigt. Eltern versuchten stets, ihre Kinder dieser Entwicklung entsprechend auf den Weg zu bringen und ihr Bestes zu geben, damit ihr Nachwuchs in dieser Welt bestehen kann. Die Interessen derer, die heute die Bildungslandschaft in Deutschland entscheidend mitbeeinflussen, seien vor allem wirtschaftlicher und wettbewerbsorientierter Natur. Renz-Polster führt beispielhaft die Führungsgremien der Bertelsmann-Stiftung, der Max-Planck-Gesellschaft und des Stifterverbandes für die Wissenschaft an. Auch das „Haus der kleinen Forscher“, ein Bildungskonzept für Kleinkinder, gehe letztlich auf Ideen von Unternehmern zurück. Die weltweit tätige Unternehmensberatung McKinsey habe das Konzept für die Bildung von Kleinkindern entwickelt, um schon die Jüngsten auf den Weg zum Erfolg zu bringen. Das 2006 gegründete „Haus der kleinen Forscher“ will bundesweit die „Nachwuchssicherung in den Natur- und Ingenieurwissenschaften“ schaffen. Schirmherrin ist niemand anders als Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.

Freiraum statt Stundenplan!

Spielplatzkids Warren GoldswainFreies Spielen, Toben, Selbstständigkeit, Instinkt, Abenteuer, viel Platz – diese Freiräume der Kinder seien immer stärker zurück gedrängt worden. Stattdessen stünden Kurse auf dem Programm. Institutionen übernehmen die erfolgversprechende „Bildung“ schon der Kleinsten. „Die Kindheit ist nun die Strecke, auf der sich die Kinder für den Job warmlaufen. Auch bei der Kindheit geht es um den Ertrag.“ Dass die Eltern – eigentlich zuallererst zuständig für Erziehung und Bildung ihres Nachwuchses – so in stärkerem Maße dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, passt laut Renz-Polster sehr gut zum Konzept. 

Dabei wollen Eltern mit ihrem Kind alles richtig machen, sie wollen, dass es später in der Gemeinschaft gut zurechtkommt. Wie und wo sollten sie sich aus dem allgemeinen Rennen um Kompetenzen heraushalten, wenn sie ihren Kindern die besten Chancen mitgeben wollen? Sie sitzen ohnehin zwischen den Stühlen, schreibt Renz-Polster. Viele Familien brauchten ein zweites Einkommen, Teilzeitarbeitsplätze gibt es längst nicht genug. Die Wirtschaft brauche beide Eltern  - möglichst ganztags. Dafür werden mehr bezahlbare Krippen benötigt, die trotz des Mangels an Erzieherinnen und Erziehern funktionieren sollen.

Zu wenig Personal!

Natürlich kann kein Bildungskonzept ohne genug qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher funktionieren! Durch die Bildungsdebatte werde der Beruf zwar erfreulicher Weise aufgewertet. Doch ein schwerwiegendes Problem sei, dass sich viel zu wenige Erzieherinnen und Erzieher um viel zu viele Kinder kümmern müssen. In den Krippen reiche der Betreuungsschlüssel oft nicht zu mehr als der Grundversorgung der Babys. Renz-Polster argumentiert in seinem Buch aber nicht gegen Krippen und Kitas. Er verlangt deutlich höhere Qualitätsstandards! Seiner Auffassung nach brauchen Kinder verlässliche, feinfühlige und authentische Bezugspersonen. Und das ist in einer Krippe oder Kita eben nur zu schaffen, wenn der Betreuungsschlüssel dem Alter der Kinder angemessen ist und die Erzieherinnen und Erzieher gut ausgebildet sind.

Bildung und Zukunft

Mutter und Kind essen BlueOrange StudioDie Sorge der Eltern, ihre Kinder könnten später gegen Konkurrenten nicht bestehen, verweigern sie sich diesem Bildungsdruck, ist durchaus berechtigt. Herbert Renz-Polster ermutigt Eltern dennoch, auf ihren Verstand und ihr Herz zu hören. „Ein Kind, das das von einem reichhaltigen, beziehungsvollen Grund startet und das auf seinem Entwicklungsweg Verlässlichkeit und Achtsamkeit erfahren hat, wird sein Leben vielleicht gar nicht als Nomade auf der Jagd nach Boni und Rendite verbringen wollen.(…) Der Bonus eines so entwickelten Kindes ist das Leben. Es wird nicht freiwillig darauf verzichten."

Renz-Polster ruft mit seinem Buch alle Kräfte der Gesellschaft auf, Werte und die daraus resultierenden Ansprüche an Bildung auf den Prüfstand zu stellen. Wer gibt diese Ziele eigentlich vor und wer hat welche Interessen? Bleiben die Kinder dabei überhaupt im Blick? Worauf wollen wir in Zukunft setzen? Wer Bildungsstandards vorgeben will, muss unbedingt die Argumente und Ideen derjenigen einbeziehen, die nah an den Kindern sind! “Die Kindheit ist ein Persönlichkeitsrecht“, sagt Renz-Polster. „Sie ist ein Schatz, der jedem von uns gehört. Er ist unveräußerlich, er ist - im eigentlichen, vom Grundgesetz verwendeten Sinne -  unantastbar. Denn wir sind alle nur einen Teil unseres Lebens Kinder. In unserem Inneren aber leben wir ein ganzes Leben davon, dass wir Kinder waren – wirkliche, echte Kinder.


Für DFV-Bundesgeschäftsführer Siegfried Stresing ist die Verunsicherung vieler Eltern ein alarmierendes Zeichen. „Wenn wir unser Recht auf Erziehung zurück fordern müssen, heißt das, dass wir es einmal aus der Hand gegeben haben. Wann ist das geschehen und vor allem: Warum? Wir sind es gewöhnt, uns äußeren Umständen anzupassen. Kritiklos nehmen wir an, was unserem Wohl angeblich zuträglich ist. Wem dient das eigentlich? Sagt man Eltern kontinuierlich, wie wichtig und bildungspolitisch notwendig es ist, ihre Kinder möglichst früh in eine Krippe zu geben, werden viele diese Ansicht zu ihrer eigenen machen. Die Rahmenbedingungen sind so, dass wir nicht wirklich eine andere Lösung finden können, ohne als fahrlässig zu gelten.

Um es klar zu sagen: Krippen und Kindergärten sind wichtige Einrichtungen, wenn sie qualitativ bestens ausgestattet und bezahlbar sind. Aber die Entscheidung, ob ich mein Kind selbst betreue und wann ich es in andere, verantwortungsvolle Hände gebe, muss frei und unabhängig von gesellschaftlichen Normen oder finanziellem Druck getroffen werden können. In unserer schnelllebigen Zeit haben viele Eltern eine wichtige Fähigkeit verloren: Das Vertrauen in sich selbst. Wie verunsichert sie sind, zeigen endlose Ratgeber-Reihen in Buchläden und hoch frequentierte Internet-Foren. Um aber wirklich eine Entscheidung zum Wohl meines Kindes zu treffen, brauche ich beides: Wahlfreiheit und das Selbstvertrauen, am besten zu wissen, was meinem Kind gut tut."


Das Buch „Die Kindheit ist unantastbar. Warum Eltern ihr Recht auf Erziehung zurückfordern müssen“ ist im Beltz Verlag erschienen und kostet 17,95 Euro.


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