"Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist jetzt jedenfalls ganz klar beantwortet!"

Johannes Stankowski ist Musiker. Und er ist Vater. Der Mann mit der warmen, tiefen Stimme singt normaler Weise von Zwischenmenschlichem, vom Verlorensein und der Entscheidung, trotz aller Widerstände seinen eigenen Weg zu gehen. Jetzt hat er ein Album für Kinder gemacht. „Alles wird grün“ ist seine Antwort auf sogenannte Kindermusik, die schon den Kleinsten oft nur grob gestrickte, rhythmische Massenware vorsetzt. Wir sprechen mit Stankowski über seine CD, seine  Vorstellung von guter Musik und das Vatersein in unserer Gesellschaft.

Johannes, wie kamst Du auf die Idee, eine CD für Kinder zu machen?

Johannes Stankowski Portrt1Ich habe nach Musik für meinen kleinen Sohn gesucht, die mir angenehm erscheint und habe festgestellt, dass so etwas nach meiner Wahrnehmung spärlich gesät ist. Natürlich kann man kleine Kinder mit primitiv produzierten Technoschlagern beeindrucken, sie wollen trotzdem dazu tanzen – aber als Vater wollte ich meinem Kind etwas Schöneres bieten. Also dachte ich: Wer, wenn nicht ich? Und wann, wenn nicht jetzt?

Wie lief der Prozess ab?

Ich hab zuerst für meinen kleinen Sohn auf der Gitarre improvisiert und gesungen. Ich wollte etwas Eigenes machen, hatte aber keine Ambition, ein Projekt daraus werden zu lassen. Als das so weit war, habe ich ungefähr ein dreiviertel Jahr gebraucht. Ich habe die Lieder geschrieben, instrumentalisiert und im Studio produziert. Unterstützt haben mich tolle Musiker, Erwachsene und Kinder. Ohne sie wäre die CD nicht das geworden, was sie ist.

Was unterscheidet Deine Songs von üblichen Kinderliedern?

Viele Kinderstücke sind so hierarchisch, Kinder werden darin für blöd verkauft. Die Themen, die Kinder beschäftigen, sind wirklich oft profan – nicht aber ihre Sichtweise darauf. Kleine Dinge haben noch eine wahnsinnige Größe für sie. Ich wollte mich ins Kind versetzen und die Umwelt ganz natürlich beschreiben. Kinder haben so eine  Begeisterungsfähigkeit, du kannst sie in ihren Augen glänzen sehen. Das wollte ich rüberbringen.

Wie haben Deine Kinder auf die CD reagiert?

Die beiden sind jetzt vier und sechs Jahre alt und im Moment bin ich ihr „Superstar“! Die Scheibe läuft bei uns und in unserem Umfeld rauf und runter. In vielen Kölner Kinderzimmern ist „Alles wird grün“ gerade DAS Ding! Das ist einfach cool!

Welche der zehn Songs hast Du am liebsten?

Das ist schwer zu sagen. Ich mag den Titelsong, weil er so flockig daher kommt. Das Schlaflied singen wir eigentlich jeden Abend zum Bettgehen und auch den Badewannensong lieb ich sehr.

Wie schreibt man gute Kindersongs?

kids by Christian Faustus-0585Ich denke es ist hilfreich, selbst Kinder zu haben. Da werden täglich so viele Geschichten erzählt und erlebt, an Themen mangelt es jedenfalls nicht. Durch die Begeisterungsfähigkeit der Kinder, auch an uns profan erscheinenden Dingen, bekommt auf einmal alles im Leben eine liederwürdige Größe.

Ich könnte sogar ein Lied über das Lieblingsbesteck meiner Tochter machen, über einen Arztbesuch, über die Vorfreude vor den Ferien, es ist ein nicht enden wollender Inspirationsstrom. Die Melodien kommen oft von ganz allein dazu, auf der nächsten Platte („Alles wird BUNT“, Herbst 2015) kommt die Grundmelodie zweier Lieder sogar von meinen Kindern, die hab ich einfach adaptiert und weitergesponnen.

Die CD ist das Eine - wieso habt Ihr noch ein Buch dazu herausgebracht?

Für Kinder ist die haptische Ebene sehr wichtig, sie wollen etwas anfassen. Da ist ein Buch eine feine Sache. Eva-Maria Ott-Heidmanns Bilder waren früher ein fester Bestandteil in meiner Bücherwelt und sie war eine Favoritin für die Gestaltung des Buchs. Ihre zeitlose Art zu zeichnen ist einfach sehr gut kompatibel zu meiner Musik, wie ich finde.

Mit welcher Musik bis Du groß geworden? 

Anfang der achtziger Jahren gab es - ausser Fredrik Vahle - noch keinen richtigen Markt für Kindermusik, selbst ein eigenes Abspielgerät war schon etwas Besonderes. Wir haben viel gesungen damals, immer und überall. Wenn wir was gehört haben, dann war das weniger Kindermusik als viel mehr das, was die Erwachsenen hörten: Cat Stevens, Beatles, solche Sachen.

Heute bist Du zweifacher Vater. Wie war Dein Leben davor und wie ist es jetzt?

Ich bin Freiberufler, mein Leben vor den Kindern war komplett strukturlos, der Kunst gewidmet und voll großer Existenzängste. Es gab aber auch unglaubliche Glücksgefühle, z.B. wenn ich auf der Bühne stand und das getan habe, was mich erfüllt. Heute speise ich meinen Endorphinhaushalt auch aus neuen Quellen und das tut mir sehr gut. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist jetzt jedenfalls ganz klar beantwortet!

Alles wird grn.jpgWie hast Du Väter wahrgenommen, als Du noch ein Kind warst?

Vor allem abwesend. In meinem Fall besonders, weil ich ein Scheidungskind bin. Väter waren damals vor allem arbeiten, die Mütter haben sich um die Kinder gekümmert. Heute sieht man tagsüber viel öfter Väter mit ihren Kindern auf der Straße. Das ganze Genderwesen hat sich in den letzten Jahrzehnten komplett aufgedröselt.

Wie lebt Eure Familie das?

Wir verbringen beide viel Zeit mit den Kindern. Unkompliziert ist das trotzdem nicht. Wir sind beide Künstler, unser Leben ist immer noch ziemlich chaotisch. Von einem Einkommen könnten wir gar nicht leben. Wir tun immer das, was die Gegenwart gerade einfordert. Das klappt ganz ok. Alles hat seine Zeit: Wenn ich wegen einer Produktion ins Studio muss, kümmert sich meine Frau um die Kinder, hat sie einen Auftrag, mach ich das. Trotzdem ist die Situation schwierig – wir hätten gern mehr Planungssicherheit und Freiräume für uns.

Wie siehst Du grundsätzlich die Situation der Familien in Deutschland?

Auffällig ist, dass das Jahrtausende alte Rollenverständnis von Frauen und Männern aufgelöst ist. Alle sind verwirrt, inklusive der Gesetzgeber. Wie machen wir das jetzt eigentlich, ist die Frage. Geschlechterrollen sind nicht mehr eindeutig definiert und das verlangt uns allen etwas ab

Wie geht es Familien aus Deiner Sicht bei uns?

Das kommt auf die Perspektive an. Natürlich gibt es Länder, in denen es Familien schlechter geht – deshalb läuft aber bei uns nicht alles toll. Die Löhne sind teilweise wirklich prekär – und das nicht nur für uns Freiberufler, ich höre das auch von Angestellten. Schaut man auf die Kinderfreundlichkeit, könnten wir uns bei den Südeuropäern eine Scheibe abschneiden. Sie umgarnen ihre Kinder und Jugendlichen mit einer Herzlichkeit, die ist phänomenal. Institutionell, also was zum Beispiel Kindertheater oder Schwimmbäder angeht, sind wir ganz schön weit vorn. Ich kenne kaum ein Land, in dem es so viele Kindertheater gibt. Ich glaube, im Großen und Ganzen können wir uns im Vergleich zu anderen Ländern nicht wirklich beschweren.

Fotos: Christian Faustus


Newsletter abonnieren!


Sie suchen Aktuelles rund um die Themen Eltern, Kinder, Urlaub, Gesundheit, Familienförderung und zu unseren gemeinnützigen Projekten und Kampagnen?

Dann sind sind Sie hier richtig! Abonnieren Sie unseren kostenlosen DFV-Newsletter und bleiben Sie immer auf dem neuesten Stand!

DFVRhomben ohne Schriftzug orangeDer Familien-Newsletter des Deutschen Familienverbandes.
Jetzt kostenlos anmelden!

Newsletter des DFV

DFVRhomben ohne Schriftzug orangeZu den aktuellen Pressemitteilungen des Deutschen Familienverbandes.
Hier findet sich auch das PM-Archiv.

Pressedienst DFV

captcha 

Ihre Daten werden ausschließlich für unseren Newsletter verwendet und nicht weitergegeben. Sie können der Nutzung jederzeit widersprechen, z.B. durch Klick auf "stornieren" am Ende jeder Email. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Die Übertragung erfolgt verschlüsselt, eine absolute Sicherheit können wir jedoch nicht gewährleisten.

Unser Leitmotiv

Der Deutsche Familienverband (DFV) ist der größte bundesweite Zusammenschluss von Familien, deren Interessen der DFV auf der kommunalen wie Landes- und Bundesebene vertritt. Der DFV ist parteipolitisch und konfessionell nicht gebunden und steht allen Familien in Deutschland und allen am Wohl der Familie Interessierten
zur Mitgliedschaft offen.

Nehmen Sie Kontakt auf!

Deutscher Familienverband e.V.

Seelingstraße 58
14059 Berlin
Fon 030 - 30 88 29 60
Fax 030 - 30 88 29 61
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

DFV-Newsletter abonnieren

Sie suchen aktuelle Informationen zum Thema Familie und zur Familienpolitik? Dann abonnieren Sie unseren DFV-Newsletter! Möchten Sie zusätzlich unsere Pressemitteilungen zugesandt bekommen, machen Sie ein Häkchen beim Pressedienst DFV.

DFVRhomben ohne Schriftzug orangeDer Familien-Newsletter des Deutschen Familienverbandes.
Jetzt kostenlos anmelden!

Newsletter des DFV

DFVRhomben ohne Schriftzug orangeZu den aktuellen Pressemitteilungen des Deutschen Familienverbandes.
Hier findet sich auch das PM-Archiv.

Pressedienst DFV

captcha 

Ihre Daten werden ausschließlich für unseren Newsletter verwendet und nicht weitergegeben. Sie können der Nutzung jederzeit widersprechen, z.B. durch Klick auf "stornieren" am Ende jeder Email. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Die Übertragung erfolgt verschlüsselt, eine absolute Sicherheit können wir jedoch nicht gewährleisten.
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen