Der DFV: Blick zurück und Schritt nach vorn

Die Geschichte des Deutschen Familienverbandes beginnt in den 1920er Jahren. Nach dem Ersten Weltkrieg finden sich im ganzen Land mit vielen Kindern gesegnete Familien zusammen. Wirtschaftliche Not prägte die Gesellschaft ebenso wie seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert ein deutlicher Geburtenrückgang. Zwei Strömungen bilden die Wurzel des Deutschen Familienverbandes: Jene, die sich als Selbsthilfeorganisation für von Wohnungs- und Arbeitslosigkeit  bedrängte kinderreiche Familien versteht und Jene, die als Kulturbewegung gegen den Zerfall der Familie agiert.

WiederaufbauDie Bünde der Kinderreichen formieren sich 1924 zum Reichsbund der Kinderreichen und bilden so den Anfang des heutigen Deutschen Familienverbandes. Ziel war es, kulturelle, soziale und wirtschaftliche Interessen kinderreicher Familien zu vertreten. Als kinderreich galt damals, wer mindestens vier (Witwen mindestens drei) eigene Kinder hatte. Vor Ort ging es darum, Kontakte zu den kommunalen Behörden zu etablieren: Verordnete Brotverbilligung und die Bereitstellung von Bauland standen auf dem Plan. Mitgliedern bei Ämtergängen zu helfen und zu mehr Selbstbewusstsein und Bildung zu verhelfen, war auch Teil dieser Arbeit.

In den 30er Jahren hoffte der Reichsbund auf Verbesserungen - das von den Nationalsozialisten neu propagierte Familienbild berechtigte oberflächlich betrachtet zunächst  dazu. Welche Ideologie und welcher Rassismus tatsächlich dahinter steckten, erkannte der Reichsbund nicht. „Nicht ohne Konflikte, aber auch ohne strikte Ablehnung, war der Bund ins Fahrwasser der Bevölkerungsideologie der Nationalsozialisten geraten“, heißt es in der DFV Familie 3/1997. 1933 wurde der Reichsbund gleichgeschaltet.

Neubeginn

Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierten sich die Familien neu. Schon 1950 gab es in Bonn einen überregionalen Bund der kinderreichen Familien (BdkF), der allen Familien offen stehen sollte. 1955 tagten mehr als 30 Verbände der Kinderreichen und schlossen sich schließlich zum Bund der Kinderreichen Deutschlands e.V. Bonn zusammen. Auch in München sammelten sich Menschen, die sich mit sozialen Fragen, der Situation von Familien und Familienpolitik beschäftigten. Aus diesem Freundeskreis entsteht 1948 ein Deutscher Familienverband e.V. in München. Der Verband suchte und fand rasch Kontakte zu Wissenschaft und Politik. Zeitgleich formierten sich mit dem Familienbund der Katholiken und der Evangelischen Aktionsgemeinschaft für Familienfragen Vereine der beiden großen Kirchen.

DFVRhomben ohne Schriftzug orange1969 fusionieren der Bund der kinderreichen und jungen Familien Deutschlands und der Deutsche Familienverband. Während der DFV mit „hervorragenden Köpfen, hochmotiviert und politisch sehr kultiviert“ punktet, bietet der BKD die notwendige, breite Basis. Der BKD gliedert den alten DFV ein, er wird im Vereinsregister gelöscht. Der gemeinsame neue Verband als Rechtsnachfolger des BKD trägt nun den Namen Deutscher Familienverband. Das neue Logo – zwei untergehakte Rhomben- symbolisiert Familie und Familienverband ,,sich gegenseitig stützend, werden die Zukunft mitgestalten“.

Herzensthema: Wohnen für Familien

Das Thema familiengerechtes Wohnen ist ein Schwerpunkt in der Arbeit des Deutschen Familienverbandes. Er gehört nicht von ungefähr zu den Mitinitiatoren des sozialen Wohnungsbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Das erste Wohnungsbaugesetz von 1950 zielte darauf ab, „breite Schichten“ in den Genuss der öffentlichen Förderung kommen zu lassen. Innerhalb von  sechs Jahren sollten 1,8 Millionen Sozialwohnungen gebaut werden. Schon Mitte der 1950er Jahre ging der soziale Wohnungsbau zugunsten der privaten Eigenheimförderung zurück.

Dtsch3 kleinSeit Inkrafttreten des II. Wohnungsbaugesetzes 1957 wurden von Orts- und Kreisverbänden des heutigen DFV gemeinschaftliche Familienheimsiedlungen gebaut. In diesen Baugemeinschaften unterstützten sich die Familien gegenseitig – jeder brachte seine Kompetenzen ein. Die Bedingungen waren günstig: Baugrundstücke waren zu tragbaren Preisen zu haben, die Baukosten überschaubar. Öffentliche Baudarlehen und die Möglichkeit, Eigenkapital durch Eigenarbeit zu erbringen, hielten die Kosten für die Familien im Zaum.

Doch schon in den 1970er Jahren sah das anders aus. Teure Bauplätze, langwierige Baugenehmigungsverfahren und rasant steigende Baukosten stellten die Familien vor riesige Probleme. Die 1974 gegründete DFV-Familienheimbau GmbH bot Unterstützung an: Vom familiengerechten Grundriss über Verhandlungen bei der  Bauplatzbeschaffung bis zur Beschaffung zinsgünstiger Finanzierung wollte die Gesellschaft eine Lücke füllen.

Meilensteine der DFV-Geschichte

Kohl beim DFV2Kein geringerer als Bundeskanzler Helmut Kohl ist Festredner auf dem Bundesverbandstag 1984 in Kiel. Im Gepäck hat er familienpolitische Verbesserungen, die er auf dem Verbandstag der Öffentlichkeit präsentiert. Der DFV hatte sich wie andere Familienorganisationen unermüdlich für diese Ziele eingesetzt. Nur zwei Jahre später wird es international: Aus Anlass des Internationalen Jahres des Friedens in Bonn organisiert der DFV eine Konferenz der Internationalen Union der Familienorganisationen (IUFO). Zu den Gästen der Konferenz unter dem Leitgedanken „Familie-Freiheit-Frieden“ gehörten die IUFO-Vorsitzende Maria Teresa de Costa Macedo, Prinz Gustave aus Kamerun, Bundesfamilienministerin Rita Süssmuth und der Staatssekretär des Arbeitsministeriums Manfred Baden. Das Rahmenprogramm der familienpolitischen Veranstaltung begleitete der sehr gut besuchte Bonner „Familientag“ in der Innenstadt.

BVT 19901990 eröffnet die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten eine große Chance. Familien aus beiden Teilen des Landes begegnen sich, in fünf neuen Bundesländern gründen sich Familienverbände. 1994 war das Internationale Jahr der Familie. Als federführender Verband in der Arbeitsgemeinschaft der Familienorganisationen wickelt der DFV die Aktivitäten ab. Dazu gehörte das Bremer Marktplatzfest. Mehr als 50 Verbände und Institutionen waren geladen. Pressetreff, Podiumsdiskussion und das Motto „Kindern Freude machen – Erwachsene nachdenklich machen“ lockten viele Neugierige an. 

Mehr Gerechtigkeit für Familien

Der Deutsche Familienverband streitet seit Jahrzehnten für Familiengerechtigkeit in den Steuer- und Abgabesystemen, in den Beiträgen zur Sozialversicherung und in der Rente. Der Grundsatz der Pflegeversicherung, vor allem die häusliche Pflege in der Familie zu unterstützen, muss sich in deutlich höherem Pflegegeld widerspiegeln. Der Verband fordert konsequent ein, was Bundesverfassungsrichter schließlich in ihren Urteilen formulieren. Bis heute wurden grundlegende Vorgaben daraus vom Gesetzgeber nicht umgesetzt.

Das Urteil zum steuerlichen Existenzminimum von 1990 behandelt die verfassungsgemäße Besteuerung von Familien im Einkommenssteuerrecht. Das Bundesverfassungsgericht gab dem Gesetzgeber vor, auch das Existenzminimum von Kindern steuerfrei zu stellen – entweder durch einen ausreichend hohen steuerlichen Kinderfreibetrag oder ausreichend hohes Kindergeld.

Verfassungsgericht Maria-Theresia Weber 92Im Juli 1992 ergeht das so genannte „Trümmerfrauenurteil“. Das Bundesverfassungsgericht verpflichtet den Gesetzgeber darin sicherzustellen, dass sich mit jedem Reformschritt die Benachteiligung der Familie in der gesetzlichen Rentenversicherung verringert. Erstritten hatten das Urteil zwei DFV-Mitgliedsfamilien – unterstützt von der Freiburger Kreisvorsitzenden Ingrid Baas, dem Bundesverband und dem Sozialrechtsexperten und DFV-Mitstreiter Jürgen Borchert. Die Beschwerdeführerinnen waren kinderreiche Mütter im Rentenalter. Sie erhielten nur eine Minirente für ihre Erziehungsleistung – obwohl ihre vielen erwachsenen Kinder durch hohe Rentenbeiträge zur Bestandssicherung der Rentenversicherung beitrugen.

Das Kinderbetreuungsurteil des Bundesverfassungsgerichts von 1998 bekräftigt, dass Eltern das Grundrecht auf Wahlfreiheit haben, wenn es um die Betreuung ihrer Kinder und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Der Gesetzgeber wird verpflichtet, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Eltern brauchen mehr und bessere Betreuungsangebote und Regelungen, die die Erziehungsphase finanziell erleichtern und Mütter und Väter beruflich nicht aufs Abstellgleis schieben.

2001 ergeht das Pflegeversicherungsurteil. Die Bundesverfassungsrichter machen darin wichtige Vorgaben zur Anerkennung der Erziehungsleistung in der gesetzlichen Pflegeversicherung. Die obersten Richter entschieden, dass die Berechnung der Beiträge zur Pflegeversicherung gegen das Grundgesetz verstößt, weil Eltern mit Kindern den gleichen Beitrag zahlen wie Menschen ohne Kinder – obwohl sie neben dem finanziellen Beitrag mit der Erziehung ihrer Kinder auch einen generativen Beitrag leisten. Ohne Kinder aber, die als Erwachsene für ihre Elterngeneration zahlen, würde das umlagefinanzierte Sozialversicherungssystem kollabieren. Der Gesetzgeber erhielt deshalb den Auftrag, die Bedeutung der Entscheidung auch für andere Zweige der Sozialversicherung zu prüfen, die auf dem Generationenvertrag zwischen Jung für Alt aufbauen und von der Erziehungsleistung der Familien abhängig sind.

Der DFV im neuen Jahrtausend

Groe Familie 2 KzenonDer Gesetzgeber lässt bis heute auf die Umsetzung der großen Familienurteile warten – mit einem zusätzlichen Pflegeversicherungsbeitrag für Kinderlose gab es einen Mini-Schritt vorwärts. Aber mit dem neuen kapitalgedeckten Pflegevorsorgefonds werden Eltern erneut genauso belastet, als erbrächten sie keinen generativen Beitrag. Sie werden weiterhin für die demografische Entwicklung unabhängig von der Anzahl ihrer Kinder zur Kasse gebeten.

Die Ziele des DFV haben auch nach Jahrzehnten kaum an Aktualität eingebüßt – so lautet das ernüchterte, aber nicht resignierte Fazit von DFV-Bundesgeschäftsführer Siegfried Stresing. Es geht auch 2014 um Wahrhaftigkeit und Transparenz in den "familienpolitischen Leistungen". Es geht weiterhin um familiengerechte Beiträge in den Sozialversicherungen und um wirkliche Wahlfreiheit in der Betreuung der Kinder. Wir brauchen - immer noch - einen Familien-TÜV für Gesetze. Und es ist nicht hinnehmbar, dass Kinder auch in Zukunft keine Stimme an der Wahlurne haben. Welche Unterstützung vor allem Mehrkindfamilien brauchen und wie Familien wieder an bezahlbaren Wohnraum kommen können, sind Themen, die den Verband beschäftigen.

dfvhausbild skal bebFamilien sind das Fundament unserer Gesellschaft. Sie müssen ermutigt werden, brauchen Anerkennung und verdienen Unterstützung. Diese Aufgabe kann nur von allen politischen Ebenen und gesellschaftlichen Kräften gemeinsam gelöst werden. Wir brauchen einen Solidarpakt für Familien. Nur gemeinsam kann die Situation von Familien in Deutschland verbessert und unsere Gesellschaft zukunftsfähig gemacht werden. Dabei geht es nicht um einen Aufruf zur Solidarität der Starken mit den Schwachen. Es ist eine Aufforderung: Für einen echten Familienleistungsausgleich, einen Ausgleich für die starken Leistungen, die Familien mit der Erziehung ihrer Kinder für die Gesellschaft erbringen.

In Zukunft

Neun Jahrzehnte aktiv sein für Familien - das ist lehrreich. Die Geschichte hat gezeigt, wie unabdingbar es ist, eigenen Zielen zu folgen, statt unkritisch Ideologien zu übernehmen. Heute ist der Deutsche Familienverband eine Gemeinschaft, die allen Familien offen steht. Wir engagieren uns nicht ausschließlich, sondern auch für kinderreiche Familien. Die Entscheidung für ein Leben mit Kindern ist nämlich eine persönliche. Sie darf keiner Ideologie oder Bevölkerungspolitik unseligen Andenkens entspringen. Es muss in unserem Land möglich sein, sich frei für ein Leben mit Kindern zu entscheiden - ohne finanzielle, berufliche oder gesellschaftliche Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Dafür steht der Deutsche Familienverband.


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Unser Leitmotiv

Der Deutsche Familienverband (DFV) ist der größte bundesweite Zusammenschluss von Familien, deren Interessen der DFV auf der kommunalen wie Landes- und Bundesebene vertritt. Der DFV ist parteipolitisch und konfessionell nicht gebunden und steht allen Familien in Deutschland und allen am Wohl der Familie Interessierten
zur Mitgliedschaft offen.

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Seelingstraße 58
14059 Berlin
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Fax 030 - 30 88 29 61
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