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"Wenn Sie eine gute Mutter sind, dann machen Sie das jetzt!"

Kind hlt sich Ohren zu kleinEva und Guido haben zwei Kinder. Zeitglich mit der Geburt des ersten Kindes werden sie unfreiwillig Freiberufler und jonglieren seitdem mit der Familie und dem Beruf. Nach einer schwierigen Phase als Paar, einer Paarberatung und Versuchen, die Beziehung zu retten, trennen sie sich 2008. Eva zieht mit den Kindern aus und ist sich sicher: „Wir regeln das!“

Die Kinder sind zwei und sieben Jahre alt und während sie komplett bei Eva leben, sieht Guido sie an Wochenenden, Feiertagen und einmal in der Woche, wenn die Familie zusammen isst. Unterhalt zahlt Guido nicht, das Sorgerecht haben beide. Und Eva ist froh, dass die Trennung einigermaßen gut verlaufen ist.

Um die noch zu klärenden Dinge gut über die Bühne zu bekommen, entscheiden sich beide für eine Mediation. Statt bei der Caritas oder Diakonie landen sie auf Guidos Wunsch bei einer freien Mediatorin, die sich später als seine Anwältin entpuppen wird. Die Mediatorin empfiehlt Eva, einen Anwalt einzuschalten, um die Unterhaltsansprüche für die Kinder durchzusetzen. „Ich war so dumm“, sagt Eva heute.

Beim Jugendamt erklärt man Eva, dass sie froh sein solle, dass sich der Vater überhaupt kümmere. Wie sie Miete, Kleidung, Essen, Kitabeiträge und Schulmaterial bezahlen soll, weiß sie da schon nicht mehr. Als sie Wohngeld beantragt, wird ihr Antrag abgelehnt. Dass sie keinen Unterhalt bekomme, sei ihr Problem, heißt es. Die Berechnungen beziehen den theoretischen Unterhalt jedenfalls ein. Der Bescheid ergeht, dass sie nicht anspruchsberechtigt ist. In diesen Monaten bringt Eva manchmal Pfandflaschen in den Supermarkt, um überhaupt das Nötigste zum Essen einzukaufen. Sie ist am Ende.  

Vor Gericht

Rihcterhammer kleinNach zwei Jahren entscheidet sich Eva tatsächlich, eine Anwältin einzuschalten, um endlich Unterhalt zu bekommen. Vor dem Amtsgericht soll verhandelt werden. Vor der Richterin erklärt Guido plötzlich, dass er das alleinige Sorgerecht beantragt. Weder Eva noch ihre Anwältin wussten davon. Weil das Amtsgericht nun nicht mehr zuständig ist, geht die Sache vor das Familiengericht. Eva bricht zusammen – und erhält immer noch keinen Unterhalt. Ihr Vertrauen in den Ex-Partner ist zerstört, die Angst, möglicherweise als Ergebnis dieses Machtspiels die Kinder zu verlieren, ist riesig.

Drei Wochen später muss sie mit den Kindern vor Gericht erscheinen. Die inzwischen Vier- und Neunjährigen werden allein von der Richterin im Beisein eines Familienbeistands befragt. Eva darf, weil sie „befangen“ sei, nicht mit im Raum sein. Den Kindern sind Richterin und Beistand völlig fremd. Sie geben an, „Mama und Papa gleich lieb" zu haben. Um die Sorgerechtsfrage zu entschärfen „bietet“ Guido das Wechselmodell „an“. Die Kinder sollen wöchentlich zwischen den Eltern pendeln, Unterhalt muss niemand zahlen. Verbunden damit werden die Eltern zur Mediation verpflichtet. Verweigert sich Eva, werde ihre Familiensituation über ein halbes Jahr vom Amt durch unangekündigte Besuche überprüft und geschaut, ob sie als Alleinerziehende die Kinder wirklich gut versorgt.

„Wenn sie eine gute Mutter sind, dann machen Sie das jetzt!“, sagt die Richterin. Vorliegende Aussagen von Erzieherinnen, Kinderfrau und Familie lässt sie nicht zu. Sie hätten bestätigt, dass die Kinder in der Beziehung vor allem von Eva betreut und versorgt wurden. Gerade das jüngere Kind wäre ihrer Meinung nach vom Wechselmodell überfordert worden. In Sachen Unterhalt muss sie sich nun mit Guido einigen. Geld für Schule, Hort, Kita, Musikschule und Sport müssten die Eltern teilen. Doch nach Guidos Rechnung bleiben am Ende nur rund 13 Euro übrig, die er Eva zahlen müsste. Sie bekomme ja schließlich das Kindergeld für beide Kinder. „Das war so erniedrigend, dass ich darauf verzichtet und alles allein bezahlt habe“, sagt sie. Um den Anspruch der Kinder durchzusetzen, könnte sie jetzt einen Anwalt nehmen. Doch bezahlen kann sie ihn nicht. Prozesskostenhilfe will sie nicht noch einmal beantragen, denn sobald sie einmal zu viel verdient, muss sie auch das zurückzahlen.

Das Kind schafft Tatsachen

Truriges Kind unter Kissen kleinDie vom Gericht verlangte Mediation empfindet Eva als sehr hilfreich und lösungsorientiert. Doch Konsequenzen können die vielen gemeinsamen Gespräche nur haben, wenn beide Eltern sich bereit dazu zeigen, etwas zu ändern. Immer wieder hören beide, dass es besser wäre, außergerichtlich zu einer Einigung zu kommen, damit die Verletzungen untereinander nicht noch größer werden. Eine Handlungsanweisung darf der Mediator allerdings nicht geben. Erst, wenn das Kindeswohl nachweislich in Gefahr ist, gibt es einen Spielraum. Dazu kommt es schließlich nach zwei Jahren Wechselmodell.

Zu Evas Kummer zeigt das jüngere Kind sein Unwohlsein mit der Situation. Es wird immer wieder krank, verweigert die Schule. Sowohl Lehrer und Erzieher als auch die Kinderärztin schlagen Alarm. Das Kind will nicht mehr wechseln, die neue Freundin des Vaters nicht sehen. Schließlich geht es in der „Papa-Woche“ nach der Schule einfach zur Mutter, verschwindet sogar einmal ganz nach dem Unterricht. Polizei und Familie suchen über Stunden und finden es glücklicherweise wohlbehalten. Gut geht es ihm dennoch nicht. Seinem Vater sagt das Kind ins Gesicht: „Du hörst mir nicht zu! Ich will nicht mehr bei Dir schlafen!“

Der Mediator, der die Familie seit Einführung des Wechselmodells betreut, sagt: „Das habe ich erwartet.“ Doch habe er keine Handhabe gehabt. Nun sieht es anders aus. Eva ist fassungslos, geht es doch um ihr Kind! Gemeinsam mit dem Mediator und dem Jugendamt wird jetzt entschieden, das jüngere Kind bei der Mutter zu lassen. Es kehrt Ruhe ein, das Kind blüht wieder auf. Dass das ältere Kind weiterhin wechselt, führt zu Spannungen unter den Geschwistern.

Was bleibt nach vielen Jahren der Auseinandersetzung: Eva bekommt kaum Unterhalt

Seit nunmehr fünf Jahren und auch in der neuen Situation erhält Eva keinen regelmäßigen Unterhalt. Als sie schließlich erneut das Jugendamt einschaltet, zeigt sich Guido scheinbar einsichtig und legt den Kontoauszug mit der ersten Zahlung vor. Regelmäßig zahlt er danach nicht mehr, zieht vermeintliche Ausgaben ab, für jede Klassenfahrt muss Eva um Geld betteln, sich beschimpfen lassen. Sie hat keine Kraft mehr, all diese Auseinandersetzungen zu führen. Sie hat drei Jobs und muss sich um die Kinder kümmern. Dass vor ihnen kein böses Wort über Guido fallen darf, ist angesichts der Situation kaum auszuhalten und eine riesige Herausforderung. 

Dass Guido inzwischen eine neue Familie gegründet hat, wirkt sich auf den Unterhalt aus. Obwohl er ein Haus in bester Lage gemietet, die Familie zwei Autos und ein Au pair hat, zeigt er sich seinen beiden ältesten Kindern gegenüber nicht zahlungswillig. Seine Steuererklärung legt er als Selbstständiger nach Abzug aller Kosten vor, zwei Jobs gibt er gar nicht erst an. Das Jugendamt hat zwar Kenntnis über diese Tätigkeiten, unternimmt aber nichts. Übrigens: Die Suche per Internet dauert nur wenige Minuten, dort finden sich die verheimlichten Jobs Schwarz auf Weiß.

Eva hat der Kampf müde gemacht, sie glaubt nicht mehr daran, dass Guido finanzielle Verantwortung übernehmen muss. Das Jugendamt sagt ganz offen, wie schwierig es bei Selbstständigen ist, Unterhalt einzutreiben. Fakt ist, Eva sitzt seit acht Jahren fast allein auf den Kosten für die Kinder. Sie wünscht sich eine Stelle, die ihr den jahrelangen Kampf abnimmt, den sie wegen Beruf und Familie nicht mehr führen kann. Sie will, dass Sanktionen erhoben werden, wenn ein Elternteil sich einfach aus der Verantwortung stiehlt. Ob Guido durch die neuen Kinder ein sogenannter „Mangelfall“ ist, spielt für sie keine Rolle. Denn auch sie war ein „Mangelfall“, nur hat das niemanden interessiert. Sie musste dennoch Tag für Tag für die Kinder sorgen, arbeiten, Miete, Kleidung und Nahrung bezahlen.

„Ich habe das Vertrauen in den Staat verloren“, sagt sie rückblickend. „Es ist wirklich schlimm, so ausgeliefert zu sein - nicht nur finanziell, sondern auch menschlich.“ Und auch vor Gericht will sie nicht mehr ziehen. „Irgendwie kriege ich die Kinder schon groß.“ 


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