Tipps für Familien

In dieser Rubrik veröffentlichen wir unregelmäßig Tipps für Familien aus allen Lebensbereichen. Schauen Sie doch mal rein und wenn Sie einen guten Tipp haben, der hier veröffentlicht gehört, dann schreiben Sie uns einfach: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

Interview: Deutschland sucht den Krippenplatz

MayaDaehneWas war die Intention das Buch "Deutschland sucht den Krippenplatz“ zu schreiben"? 

Alles fing damit an, dass ich nach fünf Jahren in den USA mit meinen zwei kleinen Kindern, die dort zur Welt gekommen waren, nach Berlin zog. Plötzlich musste ich mich mit so merkwürdigen Dingen wie pädagogischer Nutzfläche, Kindertagesförderungsgesetz und Tagespflegeverzeichnissen auseinandersetzen. Irgendwann, nach vielen wahnwitzigen Bewerbungsgesprächen für mich (auf der Suche nach einem Job) und für die Kinder (auf der Suche nach einem Kitaplatz) wurde die Idee geboren ein Buch zu schreiben über Teilzeitmamas, Vollzeitjobs, Kinder, Kitastrophen und Karriereknick.

Sie sagen, dass Sie aus den USA nach Deutschland gezogen sind. Wo ist das Leben als Mutter einfacher? Hier oder dort?

Als ich aus den USA nach Deutschland kam, dachte ich, ich bin im Kinder- und Familienparadies angekommen. Plötzlich bekamen wir Kindergeld und Elterngeld, Kinderfreibeträge und so weiter. Davon können amerikanische Familien nur träumen. In den USA gibt es noch nicht einmal bezahlten Mutterschutz. Was es dort aber im Überfluss gibt – und was ich in Deutschland sehr vermisse – ist eine kinderfreundliche Gesellschaft.

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Schein oder Sein?

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Märchen verlieren selten an Aktualität. Vor allem Hans Christian Andersens „Des Kaisers neue Kleider“ kann in vieler Hinsicht auch heute noch als Parabel gelten. Wer sich ausgibt als etwas, das er nicht ist, kann einfach weitermachen, wenn es nur genug Menschen gibt, die ihm nicht mit der Wahrheit entgegen treten.

Nun ist die Geschichte vom nackten Kaiser neu aufgelegt worden. Im Verlagshaus Jacoby &Stuart ist das Kinderbuch erschienen - mit dem bekannten Text und in ganz neuem Gewand. Die frischen und witzigen Illustrationen stammen aus der Hand von Vitali Konstantinov. Der Clou: Auf drei Seiten gibt es einen Zugmechanismus. Zieht man an der Pappe ist plötzlich zu sehen, dass in Wahrheit nichts zu sehen ist. So können Kinder verstehen, was die Betrüger und später der ganze Hofstaat vorgeben zu entdecken und was wirklich dahinter steckt.

Jacoby & Stuarts Buch ist eine amüsante und lehrreiche Neuauflage des Märchenklassikers. Es kostet 14,95 Euro und ist für Leser (oder Zuhörer und Bildergucker) ab 5 Jahren empfohlen.

Der Pflege-Bahr - die geförderte private Pflegeversicherung

Von Dr. Peter Grieble, Referent für Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Dr. Peter Grieble BaW

Die geförderte private Pflegeversicherung zur Absicherung der Kosten im Pflegefall ist noch jung. Erst seit einigen Monaten gibt es den so genannten „Pflege-Bahr“ und schon finden sich immer mehr Angebote der Versicherer. Und das Interesse der Verbraucher steigt. Die Idee ist durchaus gut und richtig - eine private Vorsorge für den Pflegefall von staatlicher Seite zu fördern. Das ist konsequent und im Interesse der Verbraucher –Nachbesserungen sind trotzdem angebracht.

Will sich eine Pflegeversicherung „Pflege-Bahr“ nennen, muss sie bestimmte Bedingungen erfüllen: So darf der Versicherer keine Gesundheitsprüfung durchführen, keine Risikozuschläge erheben oder Leistungen ausschließen. Es müssen Leistungen in allen Pflegestufen und bei erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz vorgesehen sein, in Pflegestufe 3 müssen im Pflegefall mindestens 600 Euro bezahlt werden. Der Versicherer hat auf sein ordentliches Kündigungsrecht zu verzichten, doch darf er Wartezeiten von bis zu 5 Jahren vereinbaren. Die Abschlusskosten sind gedeckelt.   

Die Förderung beträgt im Monat 5 Euro. Im Jahr werden also 60 Euro von staatlicher Seite übernommen, wenn der Verbraucher selbst mindestens 10 Euro im Monat beiträgt. Das ist nicht allzu viel, eine deutlich höhere Förderung wäre wünschenswert.

Ein wichtiges Verdienst des Pflege-Bahr ist allerdings, dass er das Thema der finanziellen Absicherung für den Pflegefall stärker bewusst werden lässt. Wie sehr das von Bedeutung ist, wird untermauert durch 2,5 Millionen Pflegefälle in Deutschland und die enormen Kosten im Fall einer Pflegebedürftigkeit.

Ganz besonders sinnvoll kann die geförderte Pflegeversicherung für Verbraucher mit gesundheitlicher Beeinträchtigung sein – denn jeder Pflege-Bahr-Tarif muss sie aufnehmen. Durch die Zulage können aber auch Kerngesunde profitieren. Manch ein Gesunder wird auch deshalb einen Vertrag abschließen, weil er damit später steigenden Beiträgen der Pflege-Bahr-Tarife solidarisch entgegenwirken kann. Gerade für gesunde Verbraucher gilt aber, dass sie sich nicht durch die Zulagen zu übereilten Abschlüssen verleiten lassen sollten. Wenn ungeförderte Pflegeversicherungen besser zu ihnen passen, sollte  auf die  Zulagen verzichtet werden. 

Tipps:

Pflege-Bahr-Tarife können zusammen mit der staatlichen Zulage konkurrenzfähige Prämien bieten – dies sollte jedoch sehr genau geprüft werden. Hier finden Sie ein paar Anhaltspunkte, die Sie vor Abschluss des Vertrages klären sollten:

1. Sind Sie bei einer Pflegebedürftigkeit ausreichend versichert? Welchen Ausgaben würden in Ihrem Fall welchen Einnahmen gegenüberstehen, wie hoch wäre die Deckungslücke?

2. Wenn Sie die Pflegekosten durch eine Versicherung absichern wollen, zögern Sie nicht mit einem Abschluss. Achten Sie unbedingt auf eine ausreichende Versicherungssumme. Die Beiträge sind in jungen Jahren deutlich niedriger als im fortgeschrittenen Alter.

3. Schließen Sie nicht gleich beim erstbesten Pflegeversicherer einen Vertrag ab! Vergleichen Sie mehrere Angebote und entscheiden Sie nach gründlicher Prüfung.

4. Bei gesundheitlichen Problemen ist ein Abschluss von ungeförderten Pflegeversicherungen oft schwierig, beim Pflege-Bahr jedoch unproblematisch. Dann drängen sich Pflege-Bahr-Angebote auf.

5. Pflege-Bahr-Tarife können zusammen mit der staatlichen Zulage konkurrenzfähige Prämien bieten – aber nicht für Jeden. Deshalb muss das im  Einzelfall genau durchgerechnet werden. 

6. Wichtiger als die Höhe der Beiträge, die zu zahlen sind, sind die Versicherungsbedingungen. Hier ein paar wichtige Fragen zur Orientierung:

- In welchen Pflegestufen wird wie viel geleistet?

- Wie können durch eine Dynamik die Leistungen erhöht werden?

- Welche Leistungsausschlüsse gibt es?

- Wie sind Auslandsaufenthalte versichert?

 

 

 

Zu Hause pflegen (Ratgeber)

Pflege zu Hause organisieren 1

Viele Menschen erleben, dass der Partner, Mutter, Vater oder gar ein Kind plötzlich  zum Pflegefall wird. Obwohl die Emotionen Achterbahn fahren muss nun schnell und konzentriert gehandelt werden. Wer übernimmt die Pflege überhaupt und wie kann das alles finanziert werden? Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat einen Ratgeber über die Pflege zu Hause herausgegeben, der pflegende Angehörige praktisch unterstützen und mit hilfreichen Tipps informieren will.

Rund 1,7 Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland werden zu Hause versorgt, weil sie es sich so wünschen. Ihre Angehörigen organisieren nun den Alltag und stellen sich meistens sehr kurzfristig auf die neue Situation ein. Der Antrag an die Pflegekasse muss gestellt und der Arbeitgeber des Pflegenden informiert werden.

Doch schnell können Angehörige an Grenzen stoßen. Weil sie nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen, weil Anträge abgelehnt werden, Widerspruch eingelegt werden muss oder die Pflege sie körperlich erschöpft.

Der Ratgeber „Pflege zu Hause organisieren. Was Angehörige wissen müssen“ richtet sich an diese Menschen und gibt sensibel und sehr informativ Hilfe zum Helfen. Er erklärt, worauf zu achten ist, was wo beantragt werden muss und gibt für den Pflegealltag praktische Tipps. Neben Formalitäten und dem Organisatorischen sind schließlich auch ganz persönliche Entscheidungen zu treffen. Schaffe ich es körperlich und seelisch, meinen Angehörigen zu versorgen? Wird es von mir erwartet, dass ich die Pflege übernehme? Wo bekomme ich Entlastung? Welche Vollmachten brauche ich, um für meinen pflegebedürftigen Nächsten handeln zu können und bekomme ich sie jetzt noch? 

Pflegestufen, Pflegegeld und Pflegesachleistungen werden ebenso erklärt wie das schwierige Thema der medizinischen Begutachtung. Was zum Beispiel ein Pflegetagebuch bringen kann, womit bei einem Besuch des Gutachters zu rechnen ist und dass das Gutachten mit dem Pflegebescheid an den Antragsteller geschickt werden kann, ist sehr hilfreich zu lesen.

Im Kapitel „Die Pflege vorbereiten“ findet der Leser Hinweise zu Beratungsstellen, rechtliche und die Versicherungen betreffende Tipps. Was beim behindertengerechten Einrichten der Wohnung zu beachten ist und wie das Pflegezimmer funktional und trotzdem heimelig für den Pflegebedürftigen gestaltet werden kann, findet sich hier. Schließlich bietet der Ratgeber Unterstützung für die tägliche Praxis. Wann sind Bettleitern notwendig und sinnvoll? Für wen können Drehscheiben zum Umsetzen genutzt werden und wie helfen Sie Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen beim Aufrichten, Gehen, beim Ankleiden oder Trinken? 

Der Ratgeber „Pflege zu Hause organisieren“ kostet 9,90 Euro und ist in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erhältlich. Sie können ihn natürlich auch bestellen (Versandkosten 2,50): Versandservice der Verbraucherzentralen, Himmelgeister Straße70, 40225 Düsseldorf, telefonisch unter 0211/3809555 oder im Internet unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

30 Minuten zur Kita sind zumutbar

Seit dem 1. August 2013 haben Kinder ab dem ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in der Kindertagesstätte (Kita) oder in der Kindertagespflege. In der Debatte um den Rechtsanspruch waren viele rechtlich praktische Fragen, die zwar allgemein im Gesetz kodifiziert waren, aber in der Rechtssprechung noch auf ihre konkrete Umsetzung warteten, umstritten. So auch die Frage, wann der Kita-Weg für die Eltern noch zumutbar ist.

Ein Elternpaar hatte gegen die Stadt München Klage erhoben, weil die Kita ihres dreizehn Monate alten Kindes eine halbe Stunde entfernt war und sie diesen Zeitaufwand als nicht zumutbar angesehen haben. Das Verwaltungsgericht München hat entschieden, dass ein Weg von 30 Minuten von der Wohnung sowie vom Arbeitsplatz zur Kita mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln, selbst bei mehrmaligem Umsteigen, sehr wohl zumutbar ist. 

Verwaltungsgericht München, Az. M 18 K 13.2256

"Chatten. Teilen. Schützen!" - Materialpaket für mehr Sicherheit von Kindern im Netz

Zum neuen Schuljahr hat das Bundesfamilienministerium die Webcam-Sticker "Stop! Geheim" und das Plakat "Chatten. Teilen. Schützen!" aufgelegt. Gemeinsam mit einem Eltern-Flyer sensibilisieren sie für mehr Sicherheit von Kindern in Chats und Communities.

Beim Chatten lauern auch Risiken

chattenDas Internet bietet viele Chancen und Vergnügen für Kinder. Aber es begegnen ihnen beim Chatten und in Communities natürlich auch Risiken. Vor diesen können sie sich schützen, wenn grundlegende Regeln beachtet werden. Dazu gehört zuallererst, dass Kinder nur Communities nutzen, die für ihre Altersgruppe gemacht sind. Mit diesen Regeln helfen Eltern ihren Kindern dabei, das Internet mit Spaß und ohne Angst zu nutzen.

"Du weißt nie, wer wirklich mit dir chattet. Infos können erfunden und Fotos geklaut sein", heißt es auf dem Plakat "Chatten. Teilen. Schützen!". Wer Freundschaftsanfragen von Fremden erst gar nicht annimmt oder mit den Eltern spricht, wenn sich ein Fremder aus dem Internet mit einem verabreden will, ist auf der sicheren Seite. Das Plakat gibt Kindern wertvolle Tipps zum Schutz der Privatsphäre und was bei Cybermobbing oder Anzeichen sexueller Belästigung (Cybergrooming) ratsam ist.

Die Materialien können auch von Schulklassen bestellt und dazu genutzt werden, Sicherheit in Chats und Communities im Unterricht zu thematisieren. Webcam-Sticker und die Plakate im A3 Format können an jedes Kind in der Klasse verteilt werden. Anhand des Plakats kann eine kurze Einführung zum Thema erfolgen. Gemeinsam mit dem Flyer eignet sich das Materialpaket auch für Elternabende.

Das Paket aus Plakat, Webcam-Stickern und Flyer kann kostenlos bezogen werden beim:

Publikationsversand der Bundesregierung
Postfach 48 10 09
18132 Rostock
Telefon: 030 / 18 272 27 21
Fax: 01805 / 77 80 94*
Gebärdentelefon: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

*Jeder Anruf kostet 14 Cent/Min. aus dem deutschen Festnetz, max. 42 Cent/Min. aus den Mobilfunknetzen.

Nuno geteilt durch zwei

Nuno liebt seine ElternNuno geteilt durch zwei. Doch ab jetzt sind seine Samstage blöde Samstage – denn samstags zieht er von nun an jede Woche um. Er ist ein Trennungskind. Katze, Ski, Matratze und Schlauchboot wandern mit in Papas neue Wohnung, Nuno fühlt sich trotzdem allein und unbehaglich, obwohl sein Papa sich solche Mühe gibt, es ihm schön zu machen – „Nein, das ist wirklich keine gute Woche. Aber kann Nuno das sagen? Nein! Weil der Papa nämlich sonst traurig ist. Wo er doch so sehr will, dass Nuno gern bei ihm ist. Also sagt Nuno nichts. Aber Spaß macht es keinen.“

Auch seine Mama gibt ihr Bestes, sie streicht sein Zimmer, repariert seine Gitarre und macht die Hausaufgaben mit ihm. Glücklich ist Nuno trotzdem nicht. Doch allmählich gewöhnt er sich an sein neues, geteiltes Leben. Er gewinnt unerwartet eine ältere Freundin und schließlich nimmt er seinen Mut zusammen und bittet seine Eltern, einem kleinen Experiment zuzustimmen…

„Nuno geteilt durch zwei“ beschreibt liebevoll und realistisch die Welt eines Trennungskindes: Den Spagat zwischen zwei Welten, den Kummer, die Vorteile, die Strategie, mit der Realität umgehen zu müssen. Es erzählt auch vom Wachsen eines Kindes in einer schwierigen Situation und dass es gelingen kann, das Beste daraus zu machen.

Das sehr schön erzählte Buch von Saskia Hula und Eva Muszynski (Illustrationen) ist bei mixtvision erschienen und kostet 12,90 Euro.

 

Durchblick statt Kauderwelsch

Wenn es um Verträge und Klauseln geht, winken viele Menschen gleich ab: Zu unverständlich, zu kompliziert, zu verunsichernd. Doch manchmal führt kein Weg daran vorbei, sich mit Vertragsbedingungen auseinanderzusetzen – spätestens, wenn es zum Streit kommt. Mit dem neuen Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz, das 2009 in Kraft getreten ist, sollten die Verbraucherrechte gestärkt werden. Bewohner von Pflegeheimen, Pflegegemeinschaften oder Einrichtungen der Behindertenpflege zum Beispiel müssen ihre Verbraucherverträge mit den Betreibern nun selbst beurteilen und ihre Rechte eigenverantwortlich wahrnehmen. Gerade diese Personen aber sind auf Hilfe und Unterstützung angewiesen, ein Teil ist pflegebedürftig oder kognitiv eingeschränkt. In den oft seitenlangen Verträgen aber machen juristische Fachbegriffe, Verweise auf Gesetzbücher oder das Länderordnungsrecht das Verständnis schwer.

Die VerbraucherzentraleLogo vzbv (Bundesverband - vzbv), dessen Gründungsmitglied der Deutsche Familienverband ist, bietet nun Informationen und Beratung in diesem wichtigen Bereich an. Das vom Bundesfamilienministerium geförderte Projekt heißt „Höherer Verbraucherschutz nach dem Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz – Neue Wohnformen für ältere Menschen und Einrichtungen der Behindertenhilfe“. Es soll bis 2015 laufen. Experten der Verbraucherzentralen Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein sind bei Fragen zu Verträgen für Bewohner oder ihre Angehörigen aus allen Bundesländern zu erreichen. Sie beraten und informieren über die komplizierte Rechtslage.

2014 wollen elf Verbraucherzentralen außerdem mehr als 100 Informationsveranstaltungen und Aktionstage veranstalten und sich an Messen beteiligen. Das Thema soll auch in leichter Sprache aufbereitet werden, damit geistig behinderten und kognitiv beeinträchtigten Menschen der Zugang erleichtert werde. Die Service-Telefonnummer 01803 – 66 33 77 ist Montag und Mittwoch von 9.00 bis 14.00 Uhr erreichbar, dienstags von 13.00 bis 18.00 Uhr. Aus dem deutschen Festnetz kostet der Service 9 Cent/Minute, aus dem deutschen Mobilfunknetz 42 Cent/Minute.

Und die häusliche Pflege?

Der Service des vzbv ist vor allem für Menschen interessant, für die eine Pflege in den eigenen vier Wänden nicht möglich oder erwünscht ist. Doch ein Großteil der Pflegearbeit wird heute noch immer in den Familien geleistet – und das weitgehend unentgeltlich. „Ambulant vor stationär“ heißt eigentlich die Devise in der Pflegeversicherung, doch tatsächlich ist das Pflegegeld in der Stufe I (235 Euro) um ein Vielfaches geringer als der entsprechende Satz bei der stationären Pflege (1023 Euro) – dabei muss die Versorgung doch in beiden Fällen gleich gut gewährleistet werden. Im nächsten Newsletter wollen wir die häusliche Pflege einmal genauer unter die Lupe nehmen. Was bedeutet das Pflegezeitgesetz in der Praxis? Mit welchen Hürden und Herausforderungen haben pflegende Angehörige zu kämpfen? Wie sieht es finanziell in den Familien aus, wo Angehörige zu Hause gepflegt werden? 

Aktuelle Urteile  

seniorin und pflege Alexander RathsEs überrascht nicht, dass Pflegeeinrichtungen sich den umkämpften Markt zu Nutze machen und die Heimverträge entsprechend gestalten. In einigen Fragen hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) nun wichtige Urteile erstritten. So ist eine kostenpflichtige  Einlagerung von persönlichen Gegenständen der Bewohner nach dem Vertragsende nicht rechtens. Vertragsklauseln wie diese hatte das Berliner Kammergericht bereits 1998 für unwirksam erklärt. Das bestätigten nun das Berliner Kammergericht (23 U 276/12) und das Landgericht Mainz (4 O 113/12, noch nicht rechtskräftig).

Auch eine so genannte Schuldbeitrittsvereinbarung gehört demnach nicht in einen Heimvertrag. In manchen Betreuungseinrichtungen müssten Angehörige oder Betreuer vor dem Einzug des zu Pflegenden erklären, dass sie für finanzielle Verbindlichkeiten aus dem Vertrag einstehen. Das Landgericht Mainz untersagte das.

Fotos: Fotolia, Alexander Raths

 

Kultur für alle!Petra Noelkel grau

Lust auf Kunst und Kultur – aber das Geld fehlt? In Bayreuth soll das kein Hindernis mehr sein, am kulturellen Leben der Stadt teilzuhaben. Der dortige Deutsche Familienverband (DFV) hat gemeinsam mit der Aktion „Bunt statt Braun“ eine Kulturtafel ins Leben gerufen. Sie heißt KuKufAB – „Kunst und Kultur für alle in Bayreuth“ und bietet einkommensschwachen Menschen seit Anfang des Jahres kostenlos Zugang zu verschiedensten Veranstaltungen. Das Angebot reicht von Sportereignissen über Ausstellungen und Konzerte bis zu Lesungen und Kinobesuchen.

Wie geht das?

KuKufAB sammelt Tickets, die sozial engagierte Veranstalter kostenlos zur Verfügung stellen, sagt Petra Nölkel, Vizepräsidentin des DFV und Landesvorsitzende des Vereins in Bayern. Die Karten werden dann gezielt an interessierte Menschen mit geringen Einkommen verteilt. Berechtigt ist, wer seine Bedürftigkeit nachweisen kann: Zum Beispiel mit dem Bayreuther Sozialpass, einem Tafelausweis, einer Aufenthaltsgenehmigung/–gestattung oder einem aktuellen Bescheid über Arbeitslosengeld II oder Grundsicherung.

Weiterlesen: Kultur für alle!

Wenn das Zuhause zerbricht

Trennungskind drxWenn Eltern streiten, leiden die Kinder. Doch ihre Welt bricht komplett zusammen, wenn Mutter und Vater sich trennen. Mehr als 150.000 minderjährige Mädchen und Jungen erleben das in Deutschland pro Jahr. Was können Eltern tun, um ihren Kindern die neue Situation so  erträglich wie möglich zu machen? Wer kann dabei helfen und gibt es den einen richtigen Weg?

Im Auftrag der Deutschen Liga für das Kind ist Regisseurin Heike Mundzeck diesen Fragen nachgegangen. Der dabei entstandene Film heißt „Kinder lassen sich nicht scheiden. Hilfen für Kinder bei Trennung der Eltern“.

 Die Kinder im Blick

„Man weiß nicht, zu wem man halten soll.“ „Man fühlt sich innen drin nicht so wohl.“ „Ein Kind braucht unbedingt beide Elternteile.“ „Man lebt in zwei verschiedenen Welten, die man zu seiner eigenen verbindet.“ So sehen es die Kinder. Wie die Trennung in der Familie verläuft und welche Auseinandersetzungen zuvor geführt wurden, ist völlig verschieden. Streit, Schweigen, Türenknallen, dicke Luft – für die Kinder ist das kaum auszuhalten. Sie trotz aller Schwierigkeiten im Blick zu behalten und sich als Eltern nicht in der eigenen Krise zu verlieren, ist zwar anstrengend, aber notwendig. Und den Kindern immer wieder zu zeigen: Das ist ein Konflikt unter Erwachsenen, du bist nicht der Grund für unsere Probleme.

Der Film zeigt in zehn Kapiteln die Perspektiven der am Prozess Beteiligten. Kinder kommen zu Wort und beschreiben, was angesichts der Trennung in ihnen vorging, was sie sich für die Zukunft wünschen oder was sie vermissen. Mütter und Väter erzählen der Regisseurin, was die Trennungssituation belastet hat und welche Strategien zu einer guten Klärung der Situation geführt haben. Alle wollen das Beste für ihr Kind. Aber wie gelingt das bei zerstrittenen Parteien? Klar wird, dass es nicht einen richtigen Weg gibt. Wochenend-Väter, Wechselmodell, ein oder zwei Zuhause – das alles ist möglich. Es funktioniert aber nur, wenn alle Beteiligten gut damit leben können und kein Kind Partei für einen Elternteil ergreifen muss.

Eltern bleiben trotz Trennung DVD Kinder lassen sich nicht scheiden Cover

Mediatoren, Psychologen, Mitarbeiter von Beratungsstellen und eines Väterzentrums sowie Rechtsexperten berichten von ihren Erfahrungen mit Familien, die sich nach einer Trennung neu finden mussten. Wieder miteinander ins Gespräch kommen, eigene Befindlichkeiten den Bedürfnissen des Kindes angemessen unterordnen, den Ex-Partner als Elternteil des gemeinsamen Kindes positiv wahrnehmen – bei dieser Herausforderung können Eltern Hilfe gut brauchen. Sie müssen diese Unterstützung allerdings wirklich wollen und ein gemeinsames Ziel haben: Das Wohl ihres Kindes. Denn eins ist klar: Auch wer als Paar auseinander geht – Eltern bleiben Eltern.

Heike Mundzeck ist ein hilfreicher Film gelungen. Die befragten Eltern im Film wirken sehr reflektiert und kooperativ und das macht durchaus Mut, die schwierige Situation meistern zu können. Was aber, wenn Eltern ihre Kinder den eigenen Grabenkämpfen opfern? Was, wenn Ex-Paare ihre Kinder im Streit um Aufenthaltsrecht, Unterhalt oder Schulwahl aufreiben? Dann bleibt nur der Gang zum Familiengericht – zum Wohl des Kindes. Der Film „Kinder lassen sich nicht scheiden. Hilfen für Kinder bei Trennung der Eltern“ kann online bestellt werden und kostet 15 Euro plus Versandkosten.

 

 

 

Kinderbuch: Vom Oktopus und anderen Fischen

oktopusDer kleine Oktopus ist zufrieden. Er hat Freunde, eine schöne Höhle und eine herrliche Aussicht. Doch eines Tages steckt ein riesiger Fischschwanz in seiner Höhle fest. Was nun? Der kleine Oktopus fragt seine Freunde um Rat. Doch umzuziehen oder in den Fischschwanz zu pieken scheint ihm nicht hilfreich. Schließlich bittet er den großen Fisch aus seiner Höhle zu verschwinden. Und er hätte nicht gedacht, dass…

„Oh, oh, Oktopus“ ist ein wunderbares Kinderbuch von Elle van Lieshout und Erik van Os. Die großartigen und ausdrucksstarken Zeichnungen stammen von Mies van Hout. Das Buch ist gedacht für Kinder ab vier Jahre – aber auch ältere Kinder und Erwachsene werden ihre Freude haben. Das Buch steckt voll witziger Details, die liebevolle Gestaltung macht es zu einem wahren Unterwasserschatz. „Oh, oh Oktopus“ kostet 13,90 Euro und ist im aracari verlag erschienen.heute2

Und wo wir schon bei Fischen sind: Gucken die eigentlich immer gleich? Überhaupt nicht! „Heute bin ich“ heißt ein reizendes Buch, das ebenfalls bei aracari erschienen ist. Mies van Hout findet darin Bilder für Gefühle, die wir alle kennen: Erstaunen, Zorn, Mut, Liebe oder Neugier. Ein Fisch und ein Wort auf einer Doppelseite – das Buch ist ein Hingucker, der Spaß macht. „Heute bin ich“ richtet sich an Kinder ab drei Jahren. Gerade in diesem Alter hilft das Sehen zu verstehen, wie wir unsere Gefühle ausdrücken. Es überrascht nicht, dass das wunderschön gestaltete Buch für den Deutschen Jugendliteraturpreis (Kategorie Sachbuch) nominiert ist. Es kostet ebenfalls 13,90 Euro.

Liebe Sophie! Brief an meine Tochter

Kinder sind etwas Wunderbares. Warum und ob Frauen und Männer sie sich wünschen, beschäftigt Gesellschaft und Politik. Geburtenraten, Betreuungsplätze und die Bildungsmisere gehen durch die Presse. Unser Solidarsystem baut auf künftige Generationen, doch Jugendliche sagen heute abgeklärt: „Ich werde später sowieso keine Rente bekommen.“

sophieVieles hat sich verändert, seit es Familienplanung, befristete Jobs, neue Familienmodelle und allerorts starken Leistungsdruck gibt. Während ältere Kinder vor Jahrzehnten häufig auf die Geschwister aufpassen und den Eltern zur Hand gehen mussten, verlangt man ihnen heute vieles andere ab: Statt sich zu langweilen oder durch die Nachbarschaft zu streifen müssen sie sich messen lassen an Testbögen, werden selbst in Sportvereinen nach Leistung „aussortiert“, müssen die verkürzte und gestraffte Schul- oder später Studienzeit komprimiert und völlig überlastet überstehen. Eile, Wettbewerb, Leistung, Planung.

Der ZEIT-Journalist Henning Sußebach hat einen Brief an seine Tochter verfasst (Liebe Sophie! Brief an meine Tochter“), in dem er zu erklären versucht, warum unsere Zeit ist wie sie ist. Und er ermuntert die Zwölfjährige, sich dem Trend der Beschleunigung und der durchgeplanten Kindheit zu widersetzen. Worum es ihm geht, ist die Kindheit als einen Schatz zu begreifen. Sich ausprobieren, Fehler machen, faulenzen, infrage stellen, Unvorhergesehenes erleben, angstfrei und neugierig in die Zukunft gehen – das sollten Kinder seiner Ansicht nach dürfen. Stattdessen büffle seine Tochter als Fünftklässlerin diszipliniert und manchmal länger als er arbeite. Auf den Vorschlag, mitten in der Woche schwimmen zu gehen, habe sie geantwortet: „Ich kann nur am Wochenende!“ 

Sußebach schreibt vielen Eltern aus der Seele

Sein Buch erzählt vom Druck der Erwachsenen, ihr Kind könne später nicht mithalten, sei zu alt, wenn es in den Beruf starte oder anderweitig benachteiligt. Und die Kinder fügten sich – sie kennen ihre Lebenswelt und die Erwartungen von Eltern und Lehrern nicht anders. Am Ende des Buches gibt der Vater seinem Kind ein paar einfache, doch fast vergessene Sätze mit auf den Lebensweg: „Du sollst wissen, dass Du mehr bist als die Summe deiner Leistungen. … Du sollst wissen, die Gesellschaft wächst an denen, die sie infrage stellen….Du sollst wissen, wenn du etwas zu fürchten hast, dann nur die verdammte Angst von uns Erwachsenen.“

Liebe Sophie! Brief an meine Tochter“ ist ein berührendes Buch: mutig und selbstkritisch, erklärend und ermunternd, positiv und reflektiert. Es ist im Verlag Herder erschienen und kostet 12 Euro.

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